Vor etwa anderthalb Jahren hatte uns die aktuelle deutschsprachige pataphysische Forschung, die nicht vorhanden war, dazu inspiriert, selbst aktiv zu werden und uns als praktizierende Pataphysiker*innen zu vernetzen sowie eine Zeitschrift herauszubringen, von der bislang zwei Ausgaben erschienen sind. Nach längerer erfolgreicher Forschungs- und Publikationstätigkeit am Institut für ‚Pataphysik, hatten wir uns nun dazu entschieden, dieses zu gründen.
Die zu diesem Anlass veranstaltete Eröffnungsfeier ereignete sich am 07. Haha 152, welches nach dem vulgären Kalender dem 12. Oktober 2024 entspricht. Im Rahmen derer geplant waren u.a. die Vorstellung von Rede- und Kunstbeiträgen verschiedener Institutsmitglieder, ein Festessen (Suppe), die rituelle Verspeisung einer Riesennährstange und das gemeinsame Erstellen eines Gemäldes. Als Räumlichkeit für die Veranstaltung diente das UJZ in Berlin-Karlshorst. Physisch trafen für diesen Anlass zu diesem Zeitpunkt acht Personen an diesem Ort ein, mindestens zehn weitere nahmen imaginär teil und eine unbekannte Anzahl an Personen wird dem Treffen zu einem beliebigen Zeitpunkt in der Zukunft an einem beliebigen Ort imaginär beiwohnen.
Zur Vorbereitung wurde kurz vor dem treffen Zutaten für die Suppe organisiert. Da sich ehemals verlässliche Berliner Container leider aufgrund von durch Supermarktleitungen eingerichtete Hochsicherheitsmaßnahmen als unzugänglich erwiesen hatten, musste auf den im Kapitalismus üblichen Erwerb durch Tausch der Geldware zurückgegriffen werden. Als die Räumlichkeiten eröffnet und nach und nach alle Teilnehmer*innen eingetroffen waren, wurde mit der Vorstellung der Beiträge, musikalisch begleitet von John Cage’s 4:33 in Dauerschleife, begonnen. Es wurden mehrere Eröffnungsreden gehalten, die im Folgenden vorgestellt werden. Außerdem kam es zum feierlichen, durch eine anwesende Delegation der dadaistisch-politischen Organisation Antifaschistische Aktion Tangermünde rituell begleiteten Verzehr einer ebenfalls von dieser Gruppe bereitgestellten Riesennährstange.
Nachdem unsere Ohren in den Genuss der Redebeiträge und unsere Geschmacksnerven in den Genuss der Nährstangen gekommen waren (sollten bei beiden Prozeduren weitere Sinnesorgane beteiligt gewesen sein, können diese sich ebenfalls angesprochen fühlen), begaben wir uns in die Küche, um mit dem Kochen der Suppe zu beginnen. Zu diesem Anlass ergab sich ein äußerst angeregter Austausch darüber, warum nicht eigentlich alles Suppe sei, wobei sich schnell alle einig waren, dass zur Verdeutlichung dieser kontroversen These nichts angebrachter und hilfreicher erschien als das Vortragen des von einem Institutsmitglied verfassten Dialogs zwischen Heraklit und Parmenides aus der Grünen Kerze (Ausgabe 2, 151 (vulg. 2024)), welcher daraufhin leidenschaftlich und ausdrucksstark mit verteilten Rollen verlesen wurde und wobei sich mehrmals verlesen wurde.
Daraufhin begab sich ein äußerst mysteriöses Ereignis, als ein nicht klar definierbarer, allem Anschein nach aus einem Nebenraum stammender gasartiger Geruch bei einigen Anwesenden schwere Reizungen der Schleimhäute und dadurch Trän- und Niesanfälle hervorrief. Die an diesem Abend physisch aufgewandten Nachforschungen konnten keine zufriedenstellende Antwort auf die Frage nach der Herkunft und dem Auslöser dieses bizarren Geruchs finden und auch in den weiteren Tagen getätigte Ermittlungen kamen zu keinem Ergebnis, sodass es allem Anschein nach mal wieder an der ´Pataphysik ist, imaginäre Lösungen für die Erklärung der Situation zu finden. Vorschläge für solche sind jederzeit erwünscht, gerne auch noch in 1000+ Jahren.
Nachdem die anwesenden Pataphysiker*innen oder anderweitig an der ´Pataphysik Interessierte oder über unerwartete Begegnungen versehentlich in einen Kreis aus praktizierenden Pataphysiker*innen Hineingeratene sich von dem Schock erholt und in Sicherheit gebracht hatten, wurde sich an die gemeinsame Erstellung eines Gemäldes gemacht.

Danach wurden Gründungsfotos aufgenommen und der Abend, welcher voller neuer Begegnungen und außergewöhnlicher realer und vor allem imaginärer Ereignisse gewesen war, langsam ausklingen gelassen. Ein erneutes Zusammentreffen in Leipzig im Rahmen eines pataphysischen Kongresses ist für das Wochenende des 14.-15. Gehirnwäsche 152 (vulg. 11.-12. Januar 2025) bereits geplant.
~Ubu